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Präsentismusmotive und Organisationskultur - Warum arbeiten wir trotz Krankheit?

26.11.18 - Neue Studie der JKU erforscht die Gründe für Kranksein in der Arbeit



Trotz einer Erkankung arbeiten MitarbeiterInnen aus unterschiedlichen Motiven weiter im Unternehmen. Die Gründe für diesen „Präsentismus“ sind laut einer Studie der Johannes-Kepler-Universität Linz (JKU) vielfältig – vom Führungsstil über die Angst vor Nachteilen, dem Pflichtgefühl gegenüber KollegenInnen bis zu finanziellen Anreizen (z.B. durch „Prämien“) für Zeiten ohne Krankenstand.

Gemeinsam mit Masterstudierenden befragte Assoc. Prof. Mag. Dr. Joachim Gerich von der JKU hunderte oberösterreichische ArbeitnehmerInnen über ihre Bereitschaft, trotz Erkrankung zu arbeiten. Verhalten, Motive, Organisationskultur und Häufigkeiten standen im Mittelpunkt der Studie.

"Eine erhöhte Präsentismushäufigkeit aber auch eine erhöhte Präsentismusneigung ..., ist insgesamt betrachtet mit einer erhöhten Neigung zu Entgrenzung (z.B. ständige Erreichbarkeit oder Verzicht auf Schlaf), Substanzkonsum sowie geringer Arbeitszufriedenheit verbunden. Präsentismus scheint daher eine Ähnlichkeit mit anderen Selbstgefährdungstendenzen aufzuweisen (vgl. Krause et al 2014, Peters 2011). Diese Ergebnisse zeigen auch, dass Präsentismus summativ betrachtet keine Handlung darstellt, welche primär aus positiven emotionalen Bindungen zur Arbeit entspringt, sondern mit geringer Arbeitszufriedenheit und anderem gesundheitlichen Selbstgefährdungsverhalten korrespondiert.

(...). In einigen Fällen kann Präsentismus positiv motiviert sein, in Summe ist Präsentismus als Vermeidungsstrategie bzw. zur Aufrechterhaltung der Zielerreichung zu verstehen und mit geringer Arbeitszufriedenheit verknüpft.

(...).
Erhöhtes Commitment geht – entgegen möglicher Vermutungen - nicht mit einer erhöhten Präsentismushäufigkeit oder Präsentismusneigung einher. Höheres Commitment ist jedoch vor allem mit stärker "positiven" Präsentismusgründen verbunden. ArbeitnehmerInnen, die hohes Commitment
angeben, geben häufiger an, (möglichen) Präsentismus aufgrund der Wichtigkeit der eigenen Karriere (Approach-Motiv), der Unterstützung bei der Arbeit (Salutogen-Motiv), der geringen Auswirkung der Krankheitssymptome auf die Arbeitsfähigkeit (Workability-Motiv), der Möglichkeit die Arbeit bei Krankheit anzupassen (Adjustment-Motiv) und aufgrund der hohen Arbeitsfreude zu betreiben. Commitment kann
Präsentismus durch diese Motive fördern, jedoch sind diese Gründe - mit Ausnahme des Approach-Motives - mit relativ geringen Präsentismus Niveaus verbunden.


(..).
Eine erhöhte Präsentismushäufigkeit, aber auch eine erhöhte Präsentismusneigung ist mit erhöhten Arbeitsbelastungen sowie verstärkt mit körperlichen Tätigkeitsanforderungen verbunden. Das heißt, ArbeitnehmerInnen, die bei der Arbeit mit Zeitdruck, komplexen Tätigkeitsanforderungen oder körperlicher Arbeit konfrontiert sind, weisen häufiger Präsentismus auf. Hohe Arbeitsbelastungen sind insbesondere mit vermeidenden Präsentismus-Motiven (Avoidance-Motiv) verbunden. ArbeitnehmerInnen, die hohe
Arbeitsbelastung erfahren, geben als Gründe für Präsentismus jedoch auch häufiger die Wichtigkeit der eigenen Karriere (Approach-Motiv) und die Vermeidung, KollegInnen im Stich zu lassen, an. Tätigkeiten mit eher körperlichen Anforderungen korrelieren ebenfalls mit einem erhöhten KollegInnen-Motiv.


Tätigkeiten mit eher kognitiven Anforderungen sind dagegen stärker mit positiven Präsentismusgründen verbunden. ArbeitnehmerInnen, die kognitive Tätigkeiten ausführen, geben als mögliche Gründe für Präsentismus häufiger die Unterstützung bei der Arbeit (Salutogen-Motiv), die Reduzierung der Arbeitszeit bei Krankheit (Adjustment-Motiv) und die Freude an der Arbeit (Arbeitsfreude) an." (Gerich, Joachim (2018): Präsentismusmotive und Organisationskultur. Warum arbeiten wir trotz Krankheit? Zusammenfassung und Schlussfolgerungen. Erstellt im Rahmen der Lehrveranstaltung "Spezialisierung im Praxisfeld Familie, Gesundheit und Soziales". JKU Linz, Institut für Soziologie, Abteilung für Empirische Sozialforschung)

Mehr zum Instiut für Soziologie der JKU, Abteilung Sozialforschung finden Sie hier.


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